Österreicher Sajdik wird neuer Ukraine-Sondergesandter der OSZE

New York/Wien, 22. Juni 2015 (APA)  - Der österreichische Spitzendiplomat Martin Sajdik, derzeit UNO-Botschafter in New York, wird der neue Ukraine-Sondergesandte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die OSZE bestätigte das gegenüber der APA am Montag. Sajdik werde sein neues Amt "ab sofort" ausüben, hieß es aus dem Außenministerium.

Die Entscheidung über die Berufung des österreichischen Botschafters traf formell der serbische OSZE-Vorsitz unter Serbiens Außenminister Ivica Dacic, da der OSZE-Ukraine-Sondergesandte (Englisch: Special Representative of the OSCE Chairperson-in-Office) der Beauftragte des jeweiligen OSZE-Vorsitzenden ist. Dacic hatte sich dafür nach Diplomatenangaben mit der Troika, dem vorigen OSZE-Vorsitzland Schweiz und dem nachfolgenden, Deutschland, abgesprochen. Ebenso gab es ein Einvernehmen mit den Ländern des Normandie-Formats, also Russland, Deutschland, Frankreich und Ukraine.

"Damit (mit der Wahl Sajdiks, Anm.) wurde ein erfahrener Topdiplomat aus Österreich beauftragt. Mit ihm wird Österreich eine entscheidende Rolle in den Friedensbemühungen für den Ukraine-Konflikt spielen", gratulierte Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) Sajdik zur Berufung, wie es aus dem Außenministerium gegenüber der APA am Montag hieß. Österreich werde sich weiter aktiv um eine Lösung des Konflikts bemühen. "Wir sind betroffen, die ukrainische Grenze ist von Wien so weit weg wie Vorarlberg."

Informierte Kreise sprachen von regen Bemühungen des Außenministers für eine Berufung Sajdiks im Vorfeld: So habe Kurz sich mit Dacic besprochen. Ebenso habe er sich über die Personalie mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, Deutschlands Frank-Walter Steinmeier und der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini abgestimmt.

Sajdik hatte laut dem Vizechef der Ukraine-Beobachtermission der OSZE, dem Schweizer Alexander Hug, keinen Gegenkandidaten. Sajdik bringe "große Erfahrung" und für direkte Gespräche dienliche Russischkenntnisse mit, so Hug im Gespräch mit der APA im Juni. OSZE-Missionschef Ertugrul Apakan kenne Sajdik noch aus seiner Zeit in New York.

Der 66-jährige, Russisch sprechende Sajdik ist seit Jänner 2012 Ständiger Vertreter Österreichs bei den Vereinten Nationen in New York. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er spricht auch Englisch, Französisch und Italienisch. Der Jurist studierte auch an der Lomonossow-Universität in Moskau und an der Außenstelle der Johns-Hopkins-Universität in Bologna.

Er trat 1975 in den Dienst des Außenministeriums und arbeitete ab 1978 bei der österreichischen UNO-Vertretung in Genf; 1980-85 sowie 1989-1991 war er an der Botschaft in Moskau tätig. Zwischendurch wechselte er zweimal aus dem diplomatischen Dienst in die Wirtschaft: Von 1987 bis 1989 leitete Sajdik die Moskauer Repräsentanz des Creditanstalt-Bankvereins und von 1991 bis 1994 war er Spitzenmanager im Maculan-Baukonzern, der 1996 zusammenbrach. Anschließend kehrte er in das Außenministerium zurück und leitete die Abteilung Immobilienmanagement und Beschaffungswesen. 1997 wurde ihm die Abteilung EU-Erweiterung, Außenwirtschaftsbeziehungen sowie Zentral-, Ost-, und Südosteuropa übertragen. 2003 wurde er Leiter der wirtschafts- und integrationspolitischen Sektion im Außenministerium. Ab 2007 war Sajdik österreichischer Botschafter in Peking.

Die Ukraine-Beauftragte der OSZE, Heidi Tagliavini, hatte ihr Amt Anfang Juni niedergelegt. Zu den konkreten Beweggründen der Schweizer Spitzendiplomatin, die zwischen den Konfliktparteien vermittelte, machte die OSZE keine Angaben. Kurz davor war das Treffen der trilateralen Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk vertagt worden. Die Kontaktgruppe, bestehend aus Vertretern Kiews und Moskaus sowie der OSZE, wollte in der weißrussischen Hauptstadt mit den Separatisten über die Umsetzung der im Februar unterzeichneten Friedensvereinbarung beraten.

Der Konflikt in der Ukraine hat sich in den vergangenen Wochen erneut zugespitzt. Nach den heftigsten Gefechten seit Monaten in der Ostukraine bestätigten OSZE-Beobachter den Einsatz verbotener schwerer Waffen im Kriegsgebiet. Insgesamt wurden in dem Konflikt in den vergangenen Monaten nach UNO-Angaben mehr als 6.400 Menschen getötet und mehr als eine Million Menschen in die Flucht getrieben. Der Streit hat Ost und West in die schlimmste Krise seit Ende des Kalten Krieges gestürzt, mit Einreiseverboten und Sanktionen.